Ratgeber für Kinder und
Schüler
Schon vieles ist geschrieben worden über die richtige Erziehung der Kinder. Verschiedenste
Sichtweisen und Anschauungen sowie pädagogische Dogmen wurden in die Welt gesetzt und einander gegenübergestellt.
Wohl dokumentiert sind noch jene Diskussionen aus den 70er-Jahren, als sich die beiden Prinzipien der autoritären
Erziehung und der antiautoritären Erziehung gegenüberstanden. Jedoch – Überraschung! Auch heute noch, ungezählte
mehr oder weniger fachliche Diskussionen später, ist Kinder erziehen immer noch eine höchst individuelle
Herausforderung für jeden. Sowohl individuell in Bezug auf das jeweilige Kind als auch auf die unterschiedlichen
Eltern. Jeder seriöse Ratgeber für Kinder und Schüler sowie für Eltern und Lehrer weiß, dass es kein Patent für ein
trautes Familienglück gibt. Sehr wohl aber gibt es dafür zahlreiche Grundlagen.
Besonders wichtig für Kinder sind Zuwendung und Interesse. Dies ist für ein Kind von essentieller Notwendigkeit
dafür, ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln. Wenn ein Kind das Gefühl hat, dass man ihm mit Gleichgültigkeit
begegnet, dann fühlt es sich übersehen und langweilig. Zuwendung und Interesse sind also absolut notwendig, wenn
man ein Kind in seinem Werdegang unterstützen möchte. Das zählt sowohl für Lob als auch für Tadel! Man sollte nicht
mit Anerkennung und Lob geizen, wenn ein Kind etwas geleistet oder besonders gut gemacht hat. Gleichermaßen darf
man aber auch nicht zurückstecken und das Kind mit verschiedenen Unrechtmäßigkeiten davonkommen lassen, bloß um
Konflikte zu vermeiden. Das wäre nicht nur vom Standpunkt der natürlichen, elterliche Autorität völlig falsch. Es
würde dem Kind ebenfalls suggerieren, dass man nicht wirklich Anteil an seinem Handeln nimmt. Besonders schlimm ist
es – und dies scheint gerade heutzutage häufig ein Problem zu sein – wenn man das Kind in seiner Freizeitgestaltung
fast nur sich selbst überlässt.
Viele Eltern meinen, dass sie einen adäquaten Beitrag zur Freizeitgestaltung des Kindes leisten,
wenn sie dieses in möglichst viele Kurse (seien dies musikalische oder sportliche) schickt. Doch auch das ist
völlig falsch! Solche Angebote werden von Kindern zwar bisweilen dankend und mit Interesse angenommen. Jedoch würde
kaum ein Kind das wöchentliche Training im Verein oder die wöchentlichen Klavierstunden als Freizeit wahrnehmen.
Ähnlich wie Schule sind dies halt Gegebenheiten "wo man eben hin muss". Wenn ein Kind jedoch den besseren Teil
seiner Freizeit spielend von irgendwelchen Konsolen verbringt, so mag das für die Elternteile recht erholsam und
still sein. Für das Kind ist es jedoch, auf lange Sicht gesehen, fatal. Denn im Grunde genommen ist es eine recht
reizlose Freizeitgestaltung und die Eltern sind diesbezüglich total aus der Pflicht genommen. Auch dies suggeriert
dem Kind wieder, dass ihm nicht das Maß an Interesse und Anerkennung entgegengebracht wird, wie es eigentlich
selbstverständlich wäre. Und nicht selten liegen solche Kinder mit diesen Eindrücken gar nicht so falsch.
Ein wichtiger Punkt in der Erziehung ist jener, dass man es nicht zu verbissen sehen darf. Wer
seine Kinder immer nur nach irgendwelchen Lehrbüchern und dergleichen erzieht, der wird dies zwangsläufig immer auf
eine sehr unpersönliche Art und Weise tun. Nicht zuletzt deswegen sind es auffallend oft die Kinder von Lehrern und
Polizisten, die zu "Problemkindern" werden. Denn das grundsätzliche Problem, das häufig bei Fachliteratur über
"professionelle" Erziehung vorliegt, ist eben jenes, das sie sich prima anwenden lassen würde auf Kinder, mit denen
man einen entsprechend professionellen Umgang pflegt. Doch inwiefern das Ganze bei einem persönlichen Umgang
(gebunden durch Fleisch und Blut) funktioniert, das sei mal dahingestellt.
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